Der große Check-out

Der Lkw-Vergleich bestof9.eu bei der Spedition Reinert ist beendet. Nach rund 300.000 Kilometern und zweieinhalb Jahren Laufzeit pro Fahrzeug ziehen wir vorgezogene Bilanz. Auf dem Prüfstand waren sieben 460-PS-Sattelzugmaschinen und zwei Alternativmodelle mit hubraumschwächeren Motoren.

Ende September 2014 fiel der Startschuss für die zweite Staffel des großen Lkw- Vergleichstests bestof9.eu. Neun Sattelzugmaschinen von sieben Marken übernahmen auf der IAA 2014 die „SK Cool“-Trailer von Schmitz Cargobull ihrer Testvor - gänger, diesmal 440 bis 460 PS statt 420-PS-Klasse. Und: Die je doppelt vorhandene Marke sollte die Leistungsfähigkeit „downgesizter“ Motoren beleuchten. Sind die kleinen und gut 150 Kilo leichteren Elf-Liter-Motoren wirklich sparsamer als die 13-Liter-Standards? Dafür wählten wir den Mercedes- Benz Actros 1845 und 1843 sowie zwei ebenfalls sonst baugleiche DAF mit 435 PS und 462 PS.

Knapp ein Jahr lang war die Testerwelt in Ordnung: Die Züge drehten brav ihre „Brötchenrunde“ mit tiefgefrorenem Fertigteig zwischen Berlin und Österreich mit Anlaufstellen in Wien und Linz so - wie dann hinauf nach Padborg in Dänemark und zurück nach Wien. Gleicher Ausladungsgrad und immer gleiche Streckenschwere – so wie in der ersten Staffel. Doch dann brach der Kunde weg und aus war es mit der Brötchenrunde. Eine gleichmäßige Tour für alle Neune zu finden, gestaltete sich schwierig, letztlich unmöglich. Zwar konnte eine „Farbenrunde“ zwischen Darmstadt und Berlin aufgebaut werden, leider jedoch nicht gleichzeitig für alle Testzüge. Vier bis fünf Fahrzeuge der Flotte waren voll ausgeladen mit der temperiert zu führenden Farbenpracht unterwegs, der Rest wurde anderweitig disponiert. Immerhin: Die Testkandidaten wurden durchgetauscht, sodass sich ein für alle halbwegs homogen gemischter Einsatz ergab. Gleichwohl war die Vergleichbarkeit der Einsätze nicht mehr voll gegeben. Deshalb verzichten wir auf Veröffentlichung der Verbrauchswerte.

DAF: Licht und Schatten

Die beiden DAF unterscheiden sich nur in der Motorisierung. Der große Holländer überzeugt durch sein Leistungsangebot und seine unkomplizierte Fahrbarkeit. Für beide DAF gilt nach Aussage der Fahrer: prima Alltagstauglichkeit und Wohnqualität. Kein nerviger Umbau für nachts, gute Verdunkelung. Kritik ernten die Außenstaufächer: „Große Klappe, kleine Öffnung“, links angeschlagen. Im Dezember 2015 machen die Batterien des 460er-DAF schlapp: Zweimal 225 Ah macht 270 Euro. Das war es schon für den 460er. Der 440er fiel dagegen im Juni 2015 mit erhöhten Verbrauchswerten auf: sechs Prozent über Flottenschnitt? Wir nahmen uns des Falles in einer eigenen Geschichte an (LOGISTRA 11- 12/2015) und schickten den XF 440 nach Eindhoven zur Überprüfung. Die ergibt laut DAF ein Leck in der Einspritzanlage, ohne dass dabei Kraftstoff verloren ginge. Nach Reparatur und Neueinstellung reüssiert der kleine DAF aber nicht wirklich. Auch an Ausfällen technischer Art leistet er sich einiges: Störungen an der AdBlue- Einspritzanlage werden für 1.250 Euro auf Kulanz repariert. Ein fehlerhaftes Relais, das das Ausschalten des Motors verhindert, wird getauscht, ebenfalls auf Kulanz. Im Winter 2016/17 friert der Dieselfilter ein – Tausch. Erneut Fehlermeldungen bezüglich Ad - Blue-Einspritzung, es funktioniert aber alles im SCR-Kat, schließlich noch eine Störung im automatischen Notbremssystem (EABS), auf Garantie behoben. Immerhin: Der Modelljahrgang 2017 ist mittlerweile am Start – mit wichtigen Verbesserungen an Motoren, SCR-Anlage und Triebstrang.


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