Das untere Ende der Bandbreite?

[Transport Nr. 3 / Feb. 2017] Was sich im Sommer 2015 schon abzeichnete, bestätigt abermals unsere bestof9.eu Einzeltest-Reihe: Der bestof9.eu-DAF mit 440 PS und 10,8 Litern Hubraum ist ein trinkfreudiger Geselle, der aus der Reihe tanzt: Ein typgleicher 440er im Transport-Einzeltest war um Längen besser.

Gut schaut er aus, der „kleine“ DAF: Fahrer Dieter Rieck, 66, kommt gerade leer von seinem letzten Auftrag in der Nähe von Fürth. Rein äußerlich ist der 440-PS-DAF mit dem kleinen, nur 10,8 Liter großen „MX 11“-Motor offenbar gut gepflegt worden. Kleinere Rempler wurden sauber wiederhergestellt. Trotzdem war der DAF mit dem kleineren 11-Liter-Motor unser Sorgenkind. Im Sommer 2015, gut ein halbes Jahr nach Beginn der zweiten bestof9. eu-Staffel, zeigte der Holländer bedenkliche Auffälligkeiten in Sachen Verbrauch. Es zeigte sich aus dem laufenden Monitoring, dass der bestof9.eu-DAF im Vergleich zu einem von uns getesteten, praktisch baugleichen Modell, deutlich mehr Sprit verbrauchte, als zu erwarten war.

In der Folge untersuchten wir das bestof9.eu-Exemplar bei uns auf der Teststrecke und stellten tatsächlich starke Abweichungen im Vergleich zum Presse-Testwagen fest – gemessen auf gleicher Strecke, mit gleichem Auflieger und gleichem Fahrer. Da ging es um Mehrverbräuche in der Größenordnung von 10 bis 17 Prozent, letztere auf Strecken mit hoher Beanspruchung und Berganteilen (Kindinger Berg, schwere Landstraße). Was war da los?

Wie stets um Fairness bemüht, nahmen wir den kleinen DAF für ein paar Tage aus dem Rennen und schickten ihn zur Überprüfung nach Eindhoven. Dort stellte man in aufwendigen Vergleichsfahrten mit einem typgleichen Modell tattatsächlich einen Mehrverbrauch des bestof9.eu-Fahrzeugs fest – allerdings nur in einer Größenordnung von vier bis fünf Prozent. Ein „internes Leck im Hochdruck-Einspritzsystem“ habe laut DAF zu dem Mehrverbrauch geführt, die Hochdruck- Einspritzanlage wurde getauscht.

Nach einer abermaligen Überprüfung stellten die DAF-Techniker keinen Verbrauchsnachteil mit dem Vergleichsfahrzeug mehr fest. Der bestof9.eu-„DAF XF 440“ wurde wieder in die Flotte integriert. Nun waren wir natürlich gespannt auf den neuerlichen Einzeltest auf unserer Transport-Runde. Fahrer Dieter Rieck, vielfach geschult unter anderem auch bei DAF in Eindhoven, darf diesmal freilich nur Protokoll führen. Im normalen bestof9. eu-Einsatz hat es Rieck nach eigener Aussage nicht eilig: „Ich lass’ mich nicht hetzen, fahr’ schön mit Tempomat.“ Der Mann hat 66 Jahre auf dem Tacho, sieht aber deutlich jünger aus. Eigentlich schon Rentner, fährt er aber immer noch gerne. Und er mag den DAF, „obwohl ich eigentlich vom Actros komme“, fügt er augenzwinkernd hinzu, „das prägt“. So fehlt ihm zum Beispiel das praktische Ausklapptischchen vorm Beifahrersitz, seinem bevorzugten Pausen und Brotzeitort. Das typische Ausziehtischchen des DAF sei zwar okay, zwinge aber zu einer verdrehten Körperhaltung, die auf Dauer zu Verspannungen im Rücken führe. Da ist was dran.

Dass das seitliche Sonnenschutz- Rollo sich durch Vibration selbstständig immer wieder nach oben verziehe, sieht er als lässlichen Mangel: „Muss man halt immer mal wieder dran zupfen.“ Die „Space Cab“-Kabine bietet ja nur das zweitgrößte Raumangebot nach der „Super Space Cab“ mit ihren markanten Scheinwerfern im Super- Hochdach.

Beim Fahren merkt man kaum, dass der 440er einer vorigen Fahrzeuggeneration angehört

Die 14 Zentimeter hohe Motorkiste stört Rieck zwar, trotzdem ist er mit dem Stauraumangebot zufrieden: „Der 40-Liter-Kühlschrank ist groß genug, im Schub daneben habe ich meine Vorräte, beide laufen noch absolut sauber in ihren Schienen.“ Und: Es klappere nichts an diesem Auto – was wir nach einem Test-Tag nur bestätigen können. Die Achsen laufen ohne Poltern, nichts knarzt, das Motorgeräusch des DAF ist dank der voll gekapselten Maschine wirklich leise. Nur Windgeräusche von der Sonnenblende oder den Spiegeln sind bei Autobahngeschwindigkeit vernehmbar.


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